Entwicklungsstart für 700 Mio. Euro Kupferbergwerk

Behörden geben grünes Licht für Aufsuchungsarbeiten, erste Bohrungen im Januar 2009, etwa 900 direkte Arbeitsplätze für Betrieb ab 2015

Noch in diesem Jahr wird das Bergbauunternehmen KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH mit der Entwicklung eines 700 Millionen Euro teuren Kupfer­erzbergwerks in der Lausitz beginnen. Dies teilte der Geschäftsführer von KSL, Dr. Eike von der Linden, heute im Rahmen einer Pressekonferenz im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin mit. In den Jahren 2009 und 2010 führt KSL geophysikalische Feldarbeiten und Bohrungen durch, um die seit DDR-Zeiten bekannten Kupfererzvorräte zu bestätigen und eine Fortsetzung der Lagerstätte zu explorieren. Während des Baus von 2011 bis 2014 werden 500 bis 1.000 Beschäftigte bei Bau- und Anlagenfirmen für das Projekt arbeiten, für den Betrieb ab 2015 entstehen 900 direkte Arbeitsplätze und in gleicher Größenordnung indirekte Arbeitsplätze im Dienstleistungs­gewerbe und in der Zulieferindustrie. Seinen Firmensitz verlegt KSL noch im vierten Quartal dieses Jahres von Berlin nach Spremberg.

Grünes Licht für die Entwicklung eines Kupfererzbergwerks in der Lausitz. Zum Entwicklungsstart überreichte KSL heute die für die Aufsuchungsarbeiten erforderlichen bergrechtlichen Betriebs­pläne an Herrn Hans-Georg Thiem, leitender Bergdirektor am Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) und an Herrn Bernd Sablotny, leitender Bergdirektor am Sächsischen Oberbergamt. Für die Durchführung der entsprechenden Feldarbeiten wurden Bohr- und Seismikfirmen unter Vertrag genommen: Mit der Bohrfirma Anger`s Söhne aus Hessisch Lichtenau unterzeichnete KSL einen Bohrvertrag über 13 Millionen Euro, mit der DMT GmbH aus Essen einen Vertrag über die seismischen Arbeiten in Höhe von annähernd drei Millionen Euro.

Die Aufsuchungsarbeiten starten mit einer Verzögerung von mehr als einem Jahr: Mit dem Konzept einer schnellen an die DDR-Explorationsergebnisse angelehnten Realisierung des Projekts hatte das internationale Bergbauunternehmen Minera S.A. im Juni 2007 die Aufsuchungserlaubnisse für die Kupferschiefer-Lagerstätten Spremberg und Graustein (Brandenburg) sowie Schleife (Sachsen) von den Bergbehörden der beiden Bundesländer erhalten. Für die Ausführung der Aufsuchungsarbeiten wurde KSL am 10. September 2007 als 100%-ige Tochter von Minera gegründet. Gegen die Aufsuchungserlaubnisse hatten zwei Mitbewerber Widersprüche bei den Bergbehörden eingelegt. Im April 2008 wurden diese zurückgewiesen und die Vorrang­entscheidung zu Gunsten von Minera bestätigt. Nachdem ein Mitbewerber bei den Verwaltungs­gerichten Klage gegen den Behördenbeschluss eingelegt hatte, stellte KSL im Juni dieses Jahres einen Antrag auf Sofortvollzug der Aufsuchungserlaubnisse. Diesem wurde seitens der Bergbehörden stattgegeben, so dass KSL mit den Arbeiten beginnen kann, auch wenn eine endgültigen Entscheidung der Verwaltungs­gerichte noch aussteht.

Gesamtinvestition von 700 Millionen Euro

Im Rahmen einer vorläufigen Machbarkeitsstudie (Pre-Feasibility Study) hat KSL die Planungsunterlagen aus DDR-Zeiten gesichtet, die Explorationsdaten digitalisiert und anhand der vorherrschenden Marktsituation neu bewertet. Die Lagerstätten Spremberg und Graustein enthalten etwa 130 Millionen Tonnen gewinnbares Kupfererz mit 1,4 Prozent Kupfer - das sind 1,5 Millionen Tonnen Kupfermetall nach dem Aufbereitungs- und Verhüttungsprozess. Bei einem Abbau von ca. acht Millionen Tonnen Kupfererz pro Jahr ermöglichen die Vorräte in Spremberg und Graustein eine Lebensdauer des Bergwerks von etwa 18 Jahren. Acht Millionen Tonnen Kupfererz entsprechen etwa der Produktion von 100.000 Tonnen Kupfermetall.

Weitere potenzielle Vorräte, unter anderem im Bereich Schleife, werden auf ca. 50 Millionen Tonnen Kupfererz geschätzt. Mit diesen noch nachzuweisenden Vorräten verlängert sich die Lebensdauer des Bergwerks auf bis zu 25 Jahre.

Für Entwicklung und den Bau des Kupfererzbergwerks werden nach den Ergebnissen der Pre-Feasibility Study etwa 700 Millionen Euro zu investieren sein. Davon sind für die Aufsuchungs­phase 30 Millionen Euro vorgesehen, einschließlich der Kosten für eine abschließende Machbarkeitsstudie (bankable Feasibility Study) und das Genehmigungsverfahren.

Erste Bohrungen ab Januar 2009

Innerhalb der Aufsuchungserlaubnisse führt KSL in den Jahren 2009 und 2010 geophysikalische Feldarbeiten und Bohrungen durch, um die Kupfererzvorräte zu bestätigen und die Fortsetzung der Lagerstätte zu erkunden. Parallel zu den Feldarbeiten werden eine Feasibility Study erstellt und die Genehmigungen für die Errichtung eines Bergwerks inklusive Umweltver­träg­lichkeits­prüfung abgewickelt. Für die Feldarbeiten kommen drei Verfahren zum Einsatz:

Es finden elektromagnetische Feldmessungen statt, die das Eigenpotenzial der Sulfidver­erzung erfassen (Magnetotellurik). Mit der Messung des Eigenpotenzials entstehen keine Umwelt­auswirkungen.

Seismische Arbeiten, die von der Firma DMT ausgeführt werden, vermessen den Erzhorizont und tektonische Störungen im Gebirge mittels Vibrationswellen. Die Wellen liegen nach DIN Norm im für Bauwerke unschädlichen Bereich und haben keine Auswirkungen auf Flora und Fauna.

Ab Januar 2009 startet die Firma Anger`s Söhne mit ersten Bohrungen - insgesamt sind bis zu zwölf geplant. Jede Bohrung dauert zwei bis drei Monate, dabei muss jeweils ein Bohrplatz erstellt werden, der etwa die Größe eines halben Fußballfeldes hat. Nach Beendigung der Bohrung wird der Ursprungszustand des Bohrplatzes wiederhergestellt. Für die vorübergehende Nutzung von Grundstücken werden Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümern getroffen.

Bau des Kupfererzbergwerks

Nach Planung und Genehmigung des Kupferbergwerks folgt eine etwa vier­jährige Bauzeit mit Schaffung der Infrastruktur, Abteufen der Schächte, Bau der Aufbereitungsanlage und die Untertageausrichtung. Danach werden der Erz-Abbau und die Erz-Aufbereitung beginnen. Die Doppelschachtanlage soll an der B 156, die Aufbereitungsanlage in unmittelbarer Nähe im Industriegebiet Spremberg Ost liegen.

Für die Aufsuchung, den Bau und den Betrieb werden deutsche und EU-Vorschriften erfüllt. Aufbereitungsabgänge werden während des Bergwerksbetriebs als Versatz unter Tage eingebracht. Dadurch werden Bergschäden verhindert. Ein Teil der Abgänge und das Gestein vom Schachtabteufen sollen auf der Kippenseite eines Tagebaus eingelagert werden. Das heißt: Es entstehen kein Schlammteich und auch keine Bergehalde über Tage. Wässer, die aus dem Bergwerk gepumpt werden, werden so geklärt, dass sie den Einleitungsvorschriften in die Spree entsprechen. Die Gesamtlebenszeit von bis zu 25 Jahren sorgt für die Nachhaltigkeit des Projekts.

Das vorgegebene und erreichbare Ziel: Einen möglichst kleinen "Fußabdruck" während des Baus und Betriebs - und keinen nach Schließung des Bergwerks ? zu hinterlassen.

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KSL